Lara Croft, London, den 03.01.1984

Struktur und Geschichte dörflicher Siedlungen am Beispiel

von St. Fitzpatricks Catchpole, Surrey                  

 

Der Namensgeber des Dorfes war ein irischer Missionar des frühen 10. Jh., der sich an dieser Stelle als Einsiedler niederließ. Er soll späterer Überlieferung zufolge mit den noch in der Umgebung lebenden Heiden schlagkräftige und kuriose Auseinandersetzungen gehabt haben. Bereits im 12. Jh. existierte zu seinen Ehren eine Wallfahrtskapelle, aus der sich ein Kloster entwickelte.

 

Allgemein gesehen ist St. Fitzpatricks Catchpole ein typisches Straßendorf mit einer auf einem Hügel erbauten Dorfkirche. Das Dorf lebte hauptsächlich von der Landwirtschaft, bewirtschaftete aber auch kleinere Teiche. Seine Bewohner waren im Mittelalter dem Kloster zugehörig (Leibeigenschaft bis ins 15. Jahrhundert). Nach der Auflösung des Klosters während der Reformation lag die Lokalverwaltung und niedere Gerichtsbarkeit bis ins 18. Jh. in den Händen der Grafen von Abbingdon (ab 1547 i.d.R. die Crofts), die auch bis zu 4/5 des Landes besaßen.

 

Das Kloster ist heute nicht mehr existent (bis auf ein Eingangsportal direkt vor der Kirche). Aber daneben wurde um 1549 die Dorfkirche erbaut. Die Hauptgeldgeber waren der Graf von Abbingdon, der damals für einige Jahre eine bedeutende Rolle bei Hofe spielte, und sein Onkel, ein Abt. Die Kirche war zu groß dimensioniert, um nach dem Sturz des Grafen noch wie geplant vollendet zu werden. Im 19. Jh. wurde sie im neugotischen Stil rekonstruiert. Auch brannte 1903 der Kirchturm nach einem Blitzeinschlag aus und musste erneuert werden.

 

Direkt unter der Kirche befinden sich Katakomben, die ins Mittelalter oder (nach Meinung des Kirchenchronisten P. Dunston) vielleicht sogar in spätrömische Zeit datieren. Sie sind der Öffentlichkeit nicht zugängig.

 

Das Pfarrhaus ist eines der ältesten Häuser des Dorfes. Im 18. Jh. war es ein übel beleumdetes Wirtshaus, in dem sich Räuber (speziell Dick Turpin) und Schmuggler trafen und in dem auch der Pfarrer ein ständiger Gast gewesen sein soll. Der letzte Besitzer renovierte es im Jugendstil und verkaufte es 1903 bei seiner Privatinsolvenz an die Kirche, die es zum Pfarrhaus umfunktionierte und darin die Gemeindebibliothek einrichtete.

 

Am Dorfrand nicht weit von der Kirche befindet sich der alte Steinbruch. Er geht wahrscheinlich auf die Zeit des Kirchenbaus zurück und lieferte noch im 18. Jh. Steine für das Umland. Räuber sollen ihn verschiedentlich als Versteck benutzt haben. Heute ist er aus Sicherheitsgründen großteils zugeschüttet und vermauert.

 

Am Südwestende des Dorfes liegt ein altes Landgut, welches von der Fa­milie Croft nach einigen gewinnbringenden Börsengeschäften im 19. Jh. zur Sommerfrische ausgebaut wurde. Unter Trockenlegung eines Sumpfgebietes wurde dabei ein großzügiger Park angelegt, der öffentlich zugängig gemacht wurde und heute noch zu den Attraktionen der Umgebung zählt (Pride Park, um 1825).

 

Seit 1898 ist das Dorf ein wichtiger Knotenpunkt der Wasserwirtschaft und dient der Versorgung der Außenbezirke Londons. Bald danach schloss man St. Fitzpatricks Catchpole als eines der ersten Dörfer des Umlandes an eines der damaligen Stromnetze an, wovon heute noch ein Trafohäuschen zeugt. Planungsfehler und reguläre Erweiterungen führten wiederholt zu Baumaßnahmen an der Pumpenanlage, die eine solche Komplexität erreicht haben soll, daß 1954 einer der Planer in eine Nervenheilanstalt kam. Heutzutage bedarf sie einer Renovierung.

 

Die Taubenzucht wird auch heute noch in St. Fitzpatricks Catchpole gepflegt […]